Artikel
2 Kommentare

Jeder tut was er kann.

Wie alle sitze ich seit Wochen, Monaten, ja praktisch seit mehr als einem Jahr oft vor den Nachrichten und bin sehr berührt. Traurig. Wütend. Gerade mit unserer frischen Nr. 3 flossen nicht nur einmal die Tränen, wenn ich sah wie Mütter und Kinder ihre Heimat verlassen mussten und einfach nichts mehr hatten.
Nicht falsch verstehen, auch die flüchtenden Männer beschäftigen mich, aber der Gedanke an die stillende Mutter, die irgendwann keine Milch mehr hatte, weil sie selbst nicht genügend Flüssigkeit zu sich nehmen konnte, das ging mir einfach näher.

Leider konnte ich nicht viel tun. Wir haben Kleidung gespendet und waren auf der Straße, um gegen all jene zu demonstrieren, die immer noch glauben, das wäre alles ein großer Spaß und nicht mehr als ein Ferienausflug auf die Seite, wo das Gras soviel grüner ist.

Und dann wurde nicht nur hier die Lage drängender. Wir haben mehr gespendet, mehr demonstriert, Willkommenspäckchen gepackt. Mir hat das nicht gereicht. Aber ich konnte und kann einfach keine Deutschkurse geben, Essen austeilen, Spenden sortieren oder Kreativangebote machen. Dafür habe ich zu unregelmäßig Zeit und das Leben und mein Beruf fordern mich anderweitig zu sehr.

Deshalb war ich froh, als ich vom Projekt „Mini Decki“ hörte…ein ursprünglich aus der Schweiz stammendes Projekt, das sich zum Ziel setzt, jedem einzelnen geflüchtetem Kind ein Stück Wärme und Geborgenheit in der Ferne zu geben in Form einer Decke. „Mini Decki“ ist schweizerdeutsch und bedeutet „meine Decke“.
Es mag erstmal seltsam anmuten, aber wenn man die Bilder von geflüchteten Menschen anschaut, die einmal irgendwo ankommen, dann sieht man oft, wie sie sich in Decken hüllen. Ich denke jeder kennt das Bedürfnis sich in eine Decke zu kuscheln, wenn man müde, krank, traurig oder unsicher ist.

Deshalb also die Mini Deckis. Und diese gehen nun an Kinder, da sie in diesen unwägbaren Zeiten den größten Schutz brauchen.

Ich bin die Koordinatorin für Leipzig und innerhalb kürzester Zeit hat sich schon sehr viel getan. Ich habe Bettwäsche- und Stoffspenden erhalten, Geldspenden für die Inlets und es wird einen regelmäßigen Nähtreff geben, bei dem wir gemeinsam Decken nähen. Eine erste Übergabe von Decken fand statt und ich kann nur sagen, ja es ist richtig und wichtig, dass wir diese Decken nähen!

IMG_2180 IMG_2186 minidecki minideckis

Und es ist etwas was ich tun kann. Ich bin froh eine Möglichkeit gefunden zu haben, zu helfen. Wenn ihr mögt, dann näht doch auch eine Decke und verbreitet die Idee. Ich habe hier noch einmal eine kurze Nähanleitung zusammen gestellt, ihr könnt euch aber auch auf der Website von Mini Decki Deutschland informieren.

Oder ihr beteiligt euch mit Stoffspenden/Bettwäschespenden oder Inletspenden in Form von Geld.

Jeder tut einfach was er kann.

Und ich kann nähen. Und bloggen.

Deshalb dieser für mich sehr wichtige Beitrag. Andere Beiträge von Bloggern, die sich über das Thema Gedanken machen findet ihr unter diesem Label:

BFF_1508_ButtonBlau3-300x3001

Lasst uns zusammen schauen, dass ich bald nicht mehr grübelnd vor diesem Stück Stoff stehe und das Vernähen für eine Mini Decki verwerfen muss, weil es traumatisierend sein könnte.

IMG_2162